Mittwoch, 9. Juli 2014

kunst und kultur auf dem friedhof


ich hab für meine eltern zu den fotos von meinem spaziergang über den zentralfriedhof eine "legende" geschrieben. sie sind nicht mehr so gut zu fuß und können nicht mehr mit und spazierengehen. daher haben sie sich über die fotos sehr gefreut, wünschten sich aber noch erläuterungen dazu. vielleicht interessiert auch euch die hintergrundinformation zu der ein oder anderen person, die hier begraben liegt.
deshalb gibt es heute etwas mehr text als üblich. man kann aber auch einfach die fotos betrachten ...

das erste bild zeigt einen ouroboros (eine schlange, die sich in den schwanz beißt als symbol für die unendlichkeit) auf dem ehrengrab von nikolaus dumba, einem griechischstämmigen kaufmann und kunstmäzen.
die anderen fotos stammen vom grabmal von carl ritter von ghega, dem erbauer der semmeringbahn; es ist sehr prunkvoll und beeindruckend.

dr. johann nepomuk prix ist ein zu unrecht vergessener bürgermeister von wien gewesen. in seine amtszeit fiel die eingemeindung der äußeren bezirke, der bau der beiden hofmuseen und der stadtbahn sowie die regulierung des wienflusses. entsprechend monumental ist sein grabmal! wessen grab die trauernde frauenfigur ziert, weiß ich nicht mehr, das foto mit der leier zeigt einen ausschnitt von josef strauss' grab. die kirche könnt ihr hier genauer betrachten.

hans weigel war schriftsteller und theaterkritiker und hat eine zeitlang auch für die faz geschrieben. er war der lebensgefährte von elfriede ott. daneben adelmüller’s grab, der sich wahrscheinlich in eben diesem umdrehen würde, wüsste er, dass es mit plastikrosen geschmückt ist. hansi dujmic ist ein österreichischer sänger gewesen, der sich mit einer überdosis heroin leider viel zu früh ins jenseits befördert hat. und den grabstein von johann strauß vater finde ich überraschend modern und ausgefallen.  


franz von suppè hat ungefähr 200 bühnenwerke komponiert; sein bekanntestes ist boccaccio.
auf dem zentralfriedhof steht - ebenso wie auf dem marxer friedhof - ein grabmal für w.a.mozart, begraben liegt er aber unter beiden nicht. der totengräber konnte sich nicht mehr erinnern, wo mozart begraben wurde, und so konnte seine witwe das grab, das sie angeblich erst sechs bis sieben jahre nach dem begräbnis zum ersten mal besuchen wollte, nicht mehr finden.
beethovens gehörverlust begann schon, als er ca. 28 jahre alt war, was für eine leistung, dass er trotzdem so wundervolle werke schaffen konnte! schubert und beethoven hatten einiges gemeinsam, z.b., dass sie häufig unter finanziellen nöten litten und zu viel alkohol tranken. auch waren beide öfters verliebt, blieben aber unverheiratet. beethoven wurde wenigstens 56, schubert starb schon mit 31 jahren an typhus.

3 Kommentare:

Christiane hat gesagt…

Auf diesem riesigen Friedhof kann man sicher lange unterwegs sein und es wird immer wieder etwas zu entdecken sein, was man noch nicht gesehen hat. Eine Fülle von Motiven für den Fotografiebegeisterten. Ich freue mich über die schönen Details die Du aufgenommen hast. Machst Du Deinen Eltern ein Fotobuch wo sie immer wieder nachschauen und nachlesen können?
LG Christiane

mrs.columbo hat gesagt…

oh, christine, das ist eine brillante idee! schließlich hab ich ja auch noch einige hübsche fotos von wien, die nicht auf dem friedhof gemacht wurden, sonst glauben sie noch ich will sie schon auf ihr ende einstimmen. jetzt hab ich im juli schon ein weihnachtsgeschenk (naja, fast) für sie. danke für deine anregung!

Christa J. hat gesagt…

Beim Spaziergang über einen solch alten Fotos entdeckt man wirklich unglaublich vielen Motiven und das sieht man hier an deiner mitgebrachten Auswahl. Hintergrundinformationen zu den einzelnen Fotos sind immer sehr wertvoll, finde ich zumindest, da man sonst gar nicht weiß, was sich hinter einem Motiv verbirgt.
Den Vorschlag von Christiane, für deine Eltern daraus ein Fotobuch zu gestalten, der gefällt auch mir. Du kannst Text mit einbringen und sie können immer wieder darin stöbern. :-)

Liebe Grüße schickt dir
Christa

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